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Schwarz-Weiß-Denken: Kein Platz für Buntes?

By KuKü – Redaktion – Gesellschaft, Top-Stories

„Bist du für oder gegen…?“ Diese Frage begegnet mir nicht nur im Beruf, sondern täglich auch im Privaten. Was mit ihr einhergeht sind endlose Gespräche, die alle eines gemeinsam haben: Unfehlbarkeit. Egal, ob man sich seinem Gegenüber, bezüglich welcher Thematik auch immer, anschließt oder nicht, fest steht, dass die eigene Meinung das einzig Richtige ist. Was hat es mit diesem Schwarz-Weiß-Denken auf sich?

Weltoffenheit erfordert Mut

Sich auf neue Menschen, Situationen oder Dinge einzulassen erfordert Mut. Mut, den man aufbringen muss, um das alte Denkmuster aufzubrechen und etwas komplett Ungewohntes aufzunehmen. Vertraute Strukturen aufgeben, nur um die Meinung des Gegenübers anzuhören, mit der man absolut nichts anfangen kann? Das geht für Viele gar nicht. Warum? Ganz einfach: Gedankliche Umbrüche sind oft mit Ängsten verbunden. Ängste vor der Ungewissheit des Neuen. Außerdem erfordern sie ein komplettes Umdenken, welches sogar zu einer neuen Erkenntnis führen könnte. Eindeutig zu riskant für den Unfehlbarkeitsanspruch. Deshalb wird lieber an altbewährte Denkmustern festgehalten und so lange auf der eigenen Meinung beharrt, bis das Gegenüber (freiwillig) kapituliert.

Online-Hetzjagd gegen Andersdenkende

Während Gleichgesinnte untereinander ihren vermeintlichen Sieg feiern, indem sie sich medial gegenseitig hochschaukeln, sind Andersdenkende auf sich allein gestellt. Nur weil die Mehrheit in der Gruppe ihre Ansicht als die einzig Richtige verkauft, werden Andersdenkende massiv ausgegrenzt, beschimpft und bedroht. Unterstützt wird das Ganze durch Hass-Kommentare im Netz, die dem Andersdenkenden Rassismus vorwerfen, zur Gewalt oder sogar zum Mord aufrufen, sodass der Betroffene Angst um sein Leben hat. Ist das eine weltoffene Diskussionskultur und das heutige Demokratieverständnis, dass Gleiches mit Gleichem vergolten wird? Dass jemand, der eine andere Meinung hat, insbesondere online, so lange eingeschüchtert und erniedrigt wird, bis er aufgibt? Wo bleibt die konstruktive Kritik? Lebt eine Demokratie nicht gerade davon, dass sie Unstimmigkeiten und Andersartigkeiten, jeglicher Form, aushält und ihr mit Toleranz entgegnet?

Bunte statt schwarz-weiße Gedanken

Gerade in Zeiten von Fake News, in der alles und jeder irgendwelche Behauptungen in die Welt setzt, um Hass zu erzeugen und Feindbilder zu schüren, sollte jeder von uns, als Teil einer demokratischen Gesellschaft, mit Besonnenheit reagieren und für einen ausgewogenen Meinungsaustausch sorgen. Niemand sollte aufgrund seiner Denkweise Angst haben zu sprechen. Diskurse, die respektvoll, konsensorientiert und auf Augenhöhe geführt werden, sind der Schlüssel, um sich von dem schwarz-weißen „Für-oder-Gegen“-Denken zu lösen. Hass und Hetze sind keine Meinung – und schon keine demokratische. Es wird Zeit, sich vom Schwarz-Weiß-Denken zu verabschieden, es wird Zeit für bunte, statt schwarz-weiße Gedanken!

Image © Michael Gaida

KuKü – Redaktion
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