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Ramadan in Istanbul durch die Augen von Anna Heinze Lahçalar

By Guest – Gesellschaft, Kültür

Es ist mal wieder so weit: Ramadan.

Das ist jetzt mein fünfter Ramadan, den ich hier erlebe und so langsam habe ich mich auch dran gewöhnt.
 Ganz kurze Anmerkung, für alle, die nicht wissen, was Ramadan ist: Es ist der islamische Fastenmonat. 29 Tage lang wird tagsüber, genauer zwischen Sonnenaufgang (Sahur) und Sonnenuntergang (Iftar) weder gegessen noch getrunken und auch kein Geschlechtsverkehr (oder sexuelle Kontakte) gepflegt. Nach Sonnenuntergang wird das Fasten gebrochen und alles ist wieder erlaubt. Die ganze Nacht darf dann gegessen, getrunken und – na ja, ihr habt verstanden.
Irgendwie hat Ramadan etwas von Weihnachten. Zumindest kommt es mir so vor. Es liegt eine gewisse Festtagsstimmung in der Luft, nur die Ramadangegner (oder Weihnachtshasser) nörgeln.

Jeder ist gestresst vor Hunger (oder wegen Weihnachsteinkäufen) und genervt von den Trommlern, die einen in der Früh vor Sonnenaufgang zum Sahur wecken (Sternsinger und „Last Christmas“). 
Alle Geschäfte, die komplette Reklame, ja sogar das Fernsehprogramm kennen nur noch eines: Ramadan. 
Sprich, in allen Läden erwarten einen die „Ramadanrabatte“ (Weihnachtsrabatte).
 Die Reklame wirbt mit glücklichen Familien am geschmückten Festtagstisch beim Fastenbrechen (Weihnachtsessen).

Im Fernsehen: Entweder Festtagsprogramm, das man sich nicht anschauen will, wie furchtbare Serien (vergleichbar mit typischen Weihnachtsfilmen) oder aber religiöse Programme. Gut, die religiösen Programme gibt es an Weihnachten eher selten. Aber die Art und Weise erinnert an diese Hausfrauensendungen, mit ein und denselben Fragen und Ratschlägen jedes Jahr: Wie halte ich mein Gewicht in dieser Zeit? Was koche ich für die ganze Familie? Breche ich das Fasten, wenn ich mir die Zähne putze (wie schaffe ich es, dass meine Familie sich nicht in die Wolle bekommt am Heiligen Abend)?
 Der Ramadan wird mit dem Zuckerfest beendet – ein Fest für die Kinder (wie Weihnachten). Man besucht zwei bis drei Tage lang die Familie.

Gemeinsam wird gegessen, die Kinder bekommen Süßkram oder Geschenke oder Geld und man ist dann auch wieder froh, wenn man wieder nach Hause kann (wie an den Weihnachtsfeiertagen). Die richtig Cleveren nutzen die Zeit, um in den Urlaub abzuhauen.
Wie auch immer, da ich hier keine Weihnachten erleben kann, geben mir wenigstens Ramadan und das Zuckerfest das geliebte und gehasste (das Gefühl wechselt von Tag zu Tag) Festtagsfeeling. Das muss Integration sein.

Zum Schluss wünsche ich allen, ob sie fasten oder auch nicht, einen frohen Ramadan.

Text: Anna Heinze Lahçalar von Annascosmos


ramadan_special

Für Millionen Muslime weltweit beginnt die Fastenzeit, der heilige Monat Ramadan. In diesem Monat werden wir uns – neben der eigentlichen Arbeit – verstärkt mit dem Thema „Ramadan“ auseinandersetzen.

– was ist die Bedeutung von Ramadan?
– wann und wie fasten Muslime?
– was ist mit Muslimen, die nicht fasten wollen oder können?
– welche kulturellen Unterschiede gibt es?
– innovative Ideen wie „Plastik-Fasten“ oder „Zero Waste-Fasten“

Das sind nur einige Punkte, die wir thematisieren möchten.

Wenn ihr weitere Vorschläge / Ideen / Wünsche habt, teilt uns das gerne mit unter: mitmachen@kukue.tv (Betreff: Ramadan)
Außerdem wird es am 17.06.2017 ein „KuKü lädt ein… – Special“ geben. An dem Abend wollen wir 2 Personen aus der Community einladen und gemeinsam einen Iftar-Abend (Fastenbrechen) veranstalten. Dazu bald mehr.

Also bleibt gespannt.


 

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