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Eine LGBT Dokumentation „Benim Çocuğum – My Child“

By Yonca Yıldırım – Gesellschaft, Stories, Videos

In Deutschland werden LGBT (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender) deutlich mehr akzeptiert als in der Türkei. Während viele Elternteile in Deutschland kein Problem damit haben, dass z. B. die Tochter bisexuell ist oder der Sohn weibliche Züge hat, ist dies in der Türkei leider nicht oft der Fall. Viele werden in geringer Weise mit solchen Themen konfrontiert und können daher nicht die jeweilige Situation bewältigen.

In der Dokumentation „Benim Çocuğum“ (dt. „mein Kind“) von Regisseur Can Candan werden Eltern aus der ganzen Türkei vorgestellt, die am Anfang deutliche Schwierigkeiten mit dem Verständnis von LGBT hatten. Ob aus Istanbul oder Ankara, alle haben etwas gemeinsam: Es ist eine Herausforderung für sie, etwas Fremdes zu akzeptieren und damit weiterzuleben.

Die tiefsinnigen Monologe der einzelnen Elternteile offenbaren die Ängste, Fragen und Hilflosigkeit, die am Anfang jede Person in der Dokumentation hat. Das wird natürlich in der Öffentlichkeit nicht so preisgegeben, weil so ein Verhalten, vor allem in Bezug auf LGBT, nicht wirklich akzeptiert wird. Unbedachte Schuldzuweisungen von den Großeltern und der Gesellschaft führen dazu, dass die Eltern anfangs glauben, schuldig zu sein, dass ihr eigenes Kind nicht mehr „normal“ ist. Diese Denkweise verdeutlicht, dass viele Menschen noch unwissend hinsichtlich LGBT sind. Das führt dann dazu, dass die Eltern ihre Kinder zu diversen Ärzten schicken und versuchen, das Kind zu „heilen“. Es sei nämlich nur eine „vorübergehende Krankheit“.

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„Wärt ihr traurig, wenn ich sagen würde, dass ich schwul bin?“

Die Eltern fühlen sich machtlos und möchten auch teilweise gar nicht an die Vergangenheit erinnert werden. Fragen wie: „Was habe ich falsch gemacht? Wieso ist das passiert?“ schwirren in den Köpfen der Eltern. Sie können sich nicht erklären, wieso ausgerechnet ihnen das passiert ist. Eine Mutter bricht in Tränen aus und fühlt sich verloren, weil das Kind transsexuell ist. Das Kind wird dann noch aufgrund von konservativen und traditionellen Geschlechtervorstellungen aus der Schule rausgeworfen. Solche Folgen verdeutlichen, mit welchen Schwierigkeiten die Eltern konfrontiert werden.

Nach und nach stellt sich aber heraus, dass die Liebe der Eltern stärker zu sein mag als ihre Voreingenommenheit. Nach der Akzeptanz folgt schließlich die Unterstützung der Kinder durch den Austausch von gleichgesinnten Eltern und das Mitwirken in einer Listag Gruppe (LGBT Gruppe für die Eltern). Dieser Wendepunkt betont die Toleranzfähigkeit der Menschen, vor allem aber die, die vorher sonst eigensinnig und konservativ waren. Die letzten Bilder der Dokumentation über das jährlich stattfindende Istanbul Pride Demo bestätigen, dass eine Menge von Menschen sich für die Gleichberechtigung von LGBT einsetzen und das die Community größer ist als manche vielleicht denken.

„Koskoca dünyaya benim çocuğumu sığdıramadılar.“
Melek Okan
Bursa’da 2010 yılında öldürülen transseksüel kardeşimiz Irem Okan’ın annesi

Yonca Yıldırım
Content Curator
Ein Auslandsaufenthalt bringt Erfahrungen aber verändert auch öfters die Sichtweise und Interessen des Menschen. Genau aus diesem Grund möchte sie über die Dinge schreiben, die sie interessieren, dabei die Menschen motivieren und Kunst und Kultur näherbringen.

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