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»Kedi erweckt die Kindheitserinnerungen der Zuschauer erneut zum Leben«

By Ilayda Şahin – Cinema, Interview

Die türkische Regisseurin Ceyda Torun hatte einen großen Erfolg in den USA mit dem Film ‘’Kedi’’, der im August in die deutschen Kinos kommt. Vor der Deutschlandpremiere des Kinofilms trafen wir Ceyda Torun und sprachen mit ihr über die Dreharbeiten und wie man Katzen auf die große Leinwand bringt.

 

Wie ist das Verhältnis zwischen Menschen und Katzen? Wie kommunizieren sie miteinander?
Katzen und Menschen können auch wortlos miteinander kommunizieren. Sie pflegen ein sehr friedliches Verhältnis zueinander. Die Probleme, die wir bei zwischenmenschlichen Beziehungen haben, haben wir mit den Katzen nicht, da sie uns nicht, wie Menschen, vorverurteilen. Forschungsergebnisse zeigen, dass dieses Verhältnis auf 10.000 Jahre zurückzuführen ist. Das bedeutet dass, Katzen und Menschen siether diese Art der besonderen Kommunikation pflegen. Daher haben wir eine intime Beziehung zueinander.

Istanbul ist eine einzigartige Stadt, dessen Vielseitigkeit mehrfach verfilmt wurde.
Wie kamen Sie auf die Idee, den Zuschauern Istanbul aus Sicht der Katzen zu zeigen?
Für mich sind Katzen so ewig und zeitlos wie Istanbul. Um genau dieses Gefühl zu vermitteln, habe ich mich dazu entschlossen, die Stadt aus den Augen der Katzen zu sehen und sie so den Zuschauern vorzustellen.

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Wie liefen die Dreharbeiten zu “Kedi”?
Wirklich begonnen haben wir mit Dreharbeiten im Frühling 2014 nach einer dreimonatigen Recherche. Zweieinhalb Monate davon, waren wir täglich wach und filmten rund um die Uhr. Mit einem Filmmaterial von stolzen 180 Stunden, begann die Filmmontage. Nach achtmonatiger Filmmontage und vier Monaten Postproduktion versandten wir den Film an verschiedene Filmfeste.

Was hat Sie nach der Postproduktion des Films am meisten beeindruckt?
Die Reaktion der Zuschauer! Insbesondere über das große Interesse am Film auf den Filmfestspielen in Amerika, haben wir uns sehr gefreut. Egal, wie sehr man auf sein Projekt vertraut, bis das Publikum den Film nicht zu Gesicht bekommt, ist alles nichts weiter als eine Vermutung. Es war großartig, die Begeisterung und die gute Laune der Zuschauer im Kino zu sehen.

Was halten Sie vom großen Erfolg des Films in Amerika?
Heutzutage sind alle, in Amerika und auf der Welt, etwas verzweifelt und erschöpft von den unerfreulichen Nachrichten. Ich glaube, dass unser Film, durch sein großes Interesse, diese Erschöpfung etwas linderte. Außerdem sind Katzen die beliebtesten Haustiere in Amerika und alle Leute suchen förmlich nach Ausreden, um deren Besonderheit zu feiern.

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Haben Sie während der Dreharbeiten etwas Interessantes erlebt?
Es gab spannende und traurige Momente. Allgemein bestanden die Schwierigkeiten darin, dass die Katzen sich nicht auf unseren Schoß setzen wollten, oder sich plötzlich, genau als wir mit den Aufnahmen beginnen wollten, anfingen zu putzen. Wir begegneten vielen schwangeren Katzen, die auf der Suche nach einem passenden Platz für die Geburt waren, aber den schönen Moment der Geburt selbst, konnten wir leider nicht einfangen. Ansonsten verbrachten wir jeden Augenblick mit den Katzen. Es kam auch zu Verletzungen unter den Katzen, wie beim Katzenbaby im Film. Es gab viele Streitereien unter den Katzen, aber auch viele liebevolle Momente. Alles in allem, waren es sehr besondere und interessante Augenblicke.

Wie fanden Sie die Straßenkatzen, die die Hauptdarsteller des Films sind?
Drei Monate vor Drehbeginn haben wir uns mit Forschen auf Istanbuls Straßen umgesehen, mit dem Ziel, Geschichten von Katzen aus allerleri Stadtvierteln und Lebenslagen aufzuspüren. Unser Hauptaugenmerk lag darauf, Katzen zu finden, die mehr als einen Bewohner aus der Umgebung mtieinander verbinden und eine besondere Bindung zu ihnen, und den umliegenden Handwerkern, Künstlern und Anwohnern, pflegen. So kamen wir letztlich auf 35 Katzen. Da sich Katzen aber eben nicht immer dort aufhalten, wo man denkt, sank die Zahl während der Dreharbeiten auf 19.

Welches ist Ihre Lieblingskatze aus dem Film?
Am meisten hat mich Bengü beeindruckt, weil sie wirklich eine unglaublich liebevolle und zärtliche Katze ist. Sonst sind wir mit Psikopat und Gamsız viel herumgekommen und haben viele neue Orte entdeckt.

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Was macht den Film beim Publikum so beliebt?
Die Katzen! Istanbuls Straßenkatzen sind wirklich bezaubernd, weil sie so natürlich und handzahm sind. Es macht unglaublich großen Spaß, sie über den Tag hinweg zu beobachten. Schließlich bleibt uns nur während unserer Kindheit die Möglichkeit, den ganzen Tag mit einer Katze zu verbringen. Als berufstätiger Erwachsener fehlt uns einfach die Zeit dafür. Vielleicht liegt es daran, dass Autoren und Künstler, die täglich viel Zeit mit Katzen verbrigen, über eine ganz andere Perspektive verfügen! Ich hoffe, dass der Film die Kindheitserinnerungen der Zuschauer erneut zum Leben erweckt.

Haben Sie auch eine Katze?
Ich hätte zu gern eine…leider sind wir aufgrund unseres Berufs sehr viel unterwegs und monatelang weit weg von zu Hause. Mein Ziel ist es, unsere Nachbarn zu überreden und einige Katzen auf einmal zu adoptieren. Ich hoffe, es klappt!

Im Vergleich zu vielen anderen Ländern, leben in der Türkei viele Tiere auf der Straße. Aber die Menschen in der Türkei sind sehr hilfsbereit und setzen sich ehrenamtlich als Tieraktivisten für diese Tiere ein. Was kann man noch für die Straßentiere in der Türkei tun? Haben Sie bisher bei einem derartigen Projekt mitgewirkt oder haben Sie dies noch vor?
Natürlich gibt es in der Türkei viele Organisationen, die großartige Arbeit leisten und sehr darum bemüht sind, eine nachhaltige Lösung für das Problem zu finden. Eines dürfen wir jedoch nicht vergessen: Vor 30 Jahren hatten wir kein Problem mit den Katzen. Es gab auch kein Katzenfutter. Die Katzen aßen das, was wir auch aßen. Es gab keine speziellen Medikamente und keine privaten Tierärzte. Wenn ich mich nicht irre, gab es nur das Flohhalsband für Katzen. Keiner kaufte damals Katzen. Alle holten sich Katzen von Bekannten oder von der Straße. Wenn wir heute Probleme mit Katzen haben, liegt es daran, wie wir heute leben und als was wir Katzen heute betrachten. Als ich ein Kind war, spielte ich von morgens bis abends auf den Straßen Istanbuls. Heute ist das unmöglich. Wir sperren unsere Katzen genauso in unsere Wohnungen ein, wie wir auch unsere Kinder dort einsperren, weil wir uns um ihre Sicherheit sorgen. Natürlich gibt es in Großstädten viele Probleme und es braucht viel Zeit, um diese zu lösen. Meines Erachtens ist das Wichtigste, warum und wie wir die Hunde und Katzen in unsere Familien aufnehmen. Wenn wir ihnen mit Liebe und Respekt begegnen, können wir viele Probleme endgültig lösen. Deshalb möchte ich viele informative Kurzilme darüber machen.

“Kedi” kommt am 10. August in die deutschen Kinos. Was erwartet die deutschen Zuschauer und was möchten Sie ihnen mitteilen?
Wir freuen uns alle sehr darauf! Ich hoffe, die Zuschauer freuen sich auch darauf, die Istanbuler und die Katzen Istanbuls mal anders zu erleben und vor allem zu sehen, dass wir mehr Gemeinsamkeiten miteinander haben, als Unterschiede. Und natürlich können sie sich auf die endlosen, abenteuerlichen Katzen-Momente freuen.

Kedi – Trailer (2017)

Ilayda Şahin
Content Curator
Sie wohnt seit 1,5 Jahren in Deutschland. Ihre Leidenschaften sind entdecken, reisen, schreiben, neues ausprobieren und andere Menschen kennenzulernen. Ihr Lieblings Aphorismus ist: ‘’Die besten Entdeckungsreisen macht man nicht in fremden Ländern, sondern indem man die Welt mit neuen Augen betrachtet. (Marcel Proust)

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