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Frauenpower in der Moschee: Weibliche Imame

By Zülal Yıldırım – Gesellschaft, Stimmen, Stories

Jeden Freitag, wenn sich muslimische Gemeinden in ihrer Moschee zum Gebet versammeln, trifft man auf ein relativ homogenes Bild: Der untere Hauptgebetsraum ist voller Männer, oben dürfen die Frauen beten. Das Gebet wird von einem Imam, der ebenfalls männlich ist, geleitet. Der Grund ist wie bei allen monotheistischen Religionen: Tradition und Patriarchat.

Ob das wirklich im Sinne Gottes ist, wagen die meisten kaum zu bezweifeln. Aber die Alternative, nämlich eine Frau als Vorbeterin, ist immer noch ein Tabu in weiten Teilen der islamischen Welt. In China organisieren sich Musliminnen zwar schon seit dem 19. Jahrhundert zum Gebet, zum Mainstream zählt das allerdings bei weitem nicht. Nur allmählich tut sich etwas in den gegenwärtigen islamischen Gebetsräumen. In den USA hat es 2005 Amina Wadud  vorgemacht, als sie vor Frauen und Männern das Freitagsgebet leitete – Kritik ließ nicht lange auf sich warten. In Europa wird man nun auch mutiger, in Belgien, Dänemark oder Deutschland etwa. Hierzulande gibt es 13 Imaminnen, die Gebete und Koranstunden leiten oder Seelsorge leisten.

Eine von ihnen ist die fast 60-jährige Rabeya Müller. Zusammen mit muslimischen Frauen und Männern trifft sie sich regelmäßig in den Räumlichkeiten einer evangelischen Einrichtung in Köln, um zu beten und reden. Einen strengen Kleidungskodex gibt es bei den Gebeten der liberal-islamischen Gemeinde nicht. Kopftuch und Rock sind keine Pflicht, Frauen und Männer beten nebeneinander. Auch darf kritisch über die eigene Religion diskutiert werden. Die Mitglieder verstehen sich als liberal und betonen, dass sie keine Randerscheinung sind, denn der Islam umfasse neben orthodoxen Ansichten auch liberale und reformerische Strömungen.

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Quelle: dpa

 

 

Literaturhinweise zum Thema Frauen & Islam und islamischer Feminismus:

  • Amina Wadud: „Inside The Gender Jihad: Women’s Reform in Islam“
  • Katajun Amirpur: „Den Islam neu denken. Der Dschihad für Demokratie, Freiheit und Frauenrechte“

 

 

 

 

Zülal Yıldırım
Content Curator
Zülal ist immer auf Achse, studiert „irgendwas mit Medien“ (Kulturjournalismus) in Karlsruhe, steht gelegentlich vor der Kamera oder am Mikrofon, liebt gute Literatur, Film und Kunst.