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„Eine Leichtigkeit in die Kommunikation bringen“ – Kent Coda

By Jelena Malkowski – Allgemein, Interview, Music

Die Kölner Band Kent Coda macht Indie-Musik mit Darbuka (türkische Trommel) und türkischen Texten und vermischt so die türkische und deutsche Musikkultur. Sänger Öğünç aus Izmir und Bassist Christopher aus Wien haben die Band 2002 in Köln gegründet. Seit 2014 spielen sie mit Darbukaspieler Sercan aus Istanbul, haben seitdem das Lied „Bologna“ der österreichischen Band Wanda auf Türkisch gecovert, waren mit ihnen auf Tour und haben im November zum Karnevalsbeginn einen Kölsch-Türkischen Song herausgebracht. Ein Interview mit dem Sänger Öğünç.

Du hast in Köln angefangen, mit Christoph, einem gebürtigen Österreicher, Musik zu machen. Wie seid ihr da auf die Idee gekommen, auf Türkisch zu singen?

Ganz am Anfang haben wir auf Englisch gesungen, aber ich habe auch ein paar türkische Texte geschrieben. Obwohl Christoph kein Türkisch versteht, fand er, dass es viel ehrlicher und emotionaler klang, als ich auf Türkisch gesungen habe. Dadurch haben wir immer mehr türkische Lieder gemacht und irgendwann beschlossen, dass das unser Ding ist. Jetzt singt Christoph auch auf Türkisch und versteht immer mehr davon.

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Versteht euer Publikum auch mehr Deutsch als Türkisch?

Ja, natürlich. Wir sprechen mit ihnen auf Deutsch, aber singen auch gemeinsam türkische Strophen. Ich schreibe absichtlich nicht so schwere Texte und eingängige Refrains, sodass viele Leute unsere Texte mitsingen können. Das ist immer sehr schön.

Ist es dir wichtig, dass die Zuhörer verstehen, worum es in den Liedern geht?

Ja, für mich als Texter ist es natürlich sehr wichtig. Ich finde: Übersetzung ist die schwerste Kunst überhaupt – in der Übersetzung gehen immer ein wenig Emotionen und Gedanken verloren. Die Wörter können nicht eins zu eins übersetzt werden, aber wir versuchen, dem Publikum die Gedanken des Liedes mitzugeben, indem wir kurz vorstellen, worum es geht.

Trotz der Übersetzungsschwierigkeit habt ihr schon deutsche Lieder gecovert und ins Türkische übersetzt – zum Beispiel „Bologna“ von Wanda als „Beyoğlu“.

Ja, das war eben aber auch mehr als nur eine Übersetzung: Es würde keinen Sinn machen, das Lied mit „Bologna“ und „Tante Ceccarelli“ auf Türkisch zu singen. Stattdessen haben wir dem Lied eine Tante mit türkischem Namen und einen Istanbuler Stadtteil statt Bologna hinzugefügt. Ich finde Beyoğlu klingt ein bisschen nach Bologna, aber kann mich damit mehr identifizieren.

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Durch dieses Cover seid ihr zweimal als Vorband mit Wanda auf Tour gegangen. Reagiert ihr Publikum anders darauf, plötzlich türkische Musik zu hören?

Ja, meistens ist es erstmal ein Schock für die Leute, was da abgeht – mit der Darbuka und dann auch noch auf Türkisch. Wir machen aber tanzbare Musik und so bewegen sich die Leute schnell dazu. Ich gebe dann ein paar Stichwörter wie „Wir machen hier eine türkische Hochzeit mit euch, alles ist erlaubt“. Das ist noch nie schlecht angekommen – vielleicht auch, weil zwischendurch die Jungs von Wanda mitspielen.

Also habt ihr ein deutsches Lied gecovert, einen Karnevalssong rausgebracht und tretet auch auf Weihnachtsmärkten auf. Gleichzeitig singt ihr auf Türkisch. Verbindet ihr so Kulturen durch die Musik?

Ob man Kulturen so verbinden kann, weiß ich nicht. Was wir machen ist, eine Leichtigkeit in die Kommunikation zu bringen. Im kulturellen Austausch ist alles so geregelt und formal und wir kommen auf die Bühne und machen unsere Sache: Ich mache Ansagen mit meinem gebrochenen Deutsch und wir sagen: „Hey, es gibt keinen Halay-Tanz oder deutschen Volkstanz“. Und alle machen das, was sie wollen. Diese Leichtigkeit ist glaube ich das, was die Leute zwischen diesen ganzen formalen Dingen wie Integration und Sprachkursen vermissen. Musik hat natürlich eine verbindende Wirkung und die Leute freuen sich wohl, wenn auf unseren Konzerten Türken neben Kurden und Deutschen zusammen tanzen.
Aber wir sind eine ganz normale Band, wir machen das nicht, um Kulturen zu verbinden. Wir machen einfach unsere Musik und alle sind willkommen.

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Wie kam es, dass ihr früher mehr Punk gemacht habt und jetzt Richtung traditionelle türkische Instrumente und Rhythmen geht?

Wenn man als Teenager in der Türkei aufwächst, guckt man MTV und will Musik machen, wie diese Bands. Türkische Musik ist immer da, aber die hört man eben auf Hochzeiten und nicht in den Clubs.
Erst seit ich in Deutschland bin, habe ich objektiv wahrgenommen, wie schön diese Rhythmik oder die türkische Tonleiter ist und was für eine schöne Wirkung die Musik hat. Dadurch, dass ich das immer nebenbei wahrgenommen habe, war es total in mir drin. Ich kann ganz verschiedene Tonleitern singen und verschiedene Rhythmen machen, obwohl ich nie so richtig darüber gearbeitet habe.

Also hast du die türkische Musik hier weniger nebenbei gehört und deshalb auch mehr selbst gemacht?

Das war auch so ein langsamer Prozess – immer mehr türkische Rhythmen sind in unsere Musik reingekommen. Das hat eben auch sehr gepasst, als wir kein Schlagzeug mehr hatten, sondern stattdessen die Darbuka. Damit hat man ganz viele verschiedene Rhythmen und einen viel größeren Spielraum in der Musik. So klingt ein Song plötzlich ganz anders.

Jelena Malkowski
Content Curator
Jelena schreibt an ihrem Blog, verschiedenen Artikeln und der Bachelorarbeit in Ethnologie. Seit sie sieben Monate in Istanbul verbracht hat, lässt das Thema Türkei sie auch in Deutschland nicht los.