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Die Flaschenpost – Lebensfreude

By Jan Stassen – Kültür

Die Flaschepost haben K. und ich bei einem Ameland-Urlaub am 27.07.2006 mit Freunden nachts am Strand geschrieben, wir waren gerade alle 18. Wir hielten es damals (zum Glück!) für eine super Idee, die Nachricht zweisprachig zu verfassen und haben meine Adresse und ICQ-Nummer – war wichtig in den 2000ern – dazugeschrieben, falls jemand eine Antwort senden wollte. Wir haben sogar extra die Flaschenpost zerknittert und an den Seiten angebrannt. Wir hatten Spaß wie kleine Kinder. Die Post haben wir in eine leere Malibu-Flasche gesteckt und am nächsten Tag – nach dem Motto „Jetzt ziehen wir es durch“ – von der Fähre Richtung Festland ins Meer geworfen.

Dann ist erst mal nichts passiert. Wir hatten auch nichts wirklich erwartet.

Mehr als anderthalb Jahre später im März 2008 flattert der Brief, mit meiner Flaschenpost drin, als Beweis, bei meinen Eltern ein. Die Post kam aus Boston, USA, ungefähr 5.500 km entfernt von dem Ort, an dem wir die Flasche ins Meer geworfen haben. Ich habe sofort K. angerufen, wir konnten es nicht fassen und haben uns gefreut wie Schneekönige und direkt einen Antwortbrief verpasst. Leider ist darauf kein Brief zurückgekommen. Ich stelle mir gerne die Reise der Flasche auf ihrem Weg durch das Meer vor. Ich habe mich häufig gefragt, ob sich jemand mit uns einen Scherz erlaubt hat, der die Flasche in Holland gefunden hat und dann mit in die USA nahm und von da aus zurücksandte, aber mir ist das egal. Irgendwie hat die Flasche, laut Datum auf dem Brief des Absenders, in etwas mehr als 500 Tagen die Strecke von Ameland nach Boston geschafft – über 5.500 km durch das Meer. Vielleicht ist sie ein Stückchen per Boot, vielleicht in einer Strömung mitgetrieben, vielleicht im Gepäck von jemandem, das werde ich nie erfahren. Ein bisschen unfassbar, ein bisschen unergründlich, ein bisschen Abenteuer, auch wenn ich es nicht selbst erlebt habe, aber eine gute Geschichte – wie ich finde. Für mich ist die Flaschenpost ein Symbol für Lebensfreude. Und vielleicht bringt es auch andere zum Schmunzeln.

I.T. aus Kevelaer

 

www.wertemuseum.de

Jan Stassen
Content Curator
Jan Stassen ist im Ruhrgebiet geboren, am Niederrhein aufgewachsen und lebt in Berlin. Im Feld zwischen kommunikations- und geisteswissenschaftlichen Perspektiven versteht sich Jan als Übersetzer. Neben kleineren Projekten und Initiativen – wie dem Museum für Werte – arbeitet Jan bei der Ekskäret Stiftung.

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