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Designer-Taschen aus Anatolien

By Ömer Mutlu – Gesellschaft, Stories

»Mein Traum ist es, einen Ort zu schaffen, an dem die Menschen ihre alt gewordene Kleidung abgeben, damit diese von unseren „teyzeler“ in Streifen geschnitten und gewebt werden können. Im Anschluss daran würden wir diese Stoffe zu Designerware verarbeiten und an ihre Besitzer zurücksenden. Auf diese Weise könnten wir alte Materialien direkt recyceln und gleichzeitig die Kelim-Weberei als kulturelles Handwerk weiterleben lassen.«

Alles fing mit dem guten alten Flimmerkasten an: Yasin Sert entdeckte in einer Dokumentation eine süße alte Frau namens Faize Yoldaş, die in einem kleinen Dorf nahe Balıkesir eigenhändig Kelims webte, um ihr Leben zu finanzieren. Diese Tätigkeit gehört zu einer Reihe von türkischen Berufen, die langsam aber stetig aussterben, da sie nicht mehr ausgeübt werden.

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Diese farbenfrohen Teppiche (türkisch: kilim) findet man heutzutage höchstens noch industriell hergestellt auf dem Basar und kauft sie in der Türkei meist nur noch als „billigen“ Teppich-Ersatz, den die Kinder zu Hause auch mal gerne dreckig machen dürfen. Grundsätzlich fanden sie sich lange Zeit in Abstellkammern, auf dem Balkon oder in dunklen Ecken wieder, wo sie möglichst keiner sehen sollte. Der traditionsreichen Herstellung von Hand wurde in den letzten Jahren kaum noch Aufmerksamkeit geschenkt, denn Kelims zu besitzen war schlicht und einfach: out. Dass die bunten Teppiche nun plötzlich auch in Wohnmagazinen und Möbelhäusern ihr Comeback feiern, hat mehrere Gründe. Die Muster und Farben passen gut zu dem neuen Ethno- oder Hipster-Einrichtungs- und Kleidungsstil der trendbewussten Menschen. Vielerorts aus Wolle gefertigt, sind sie extrem widerstandsfähig und haltbar. Aufgrund ihrer glatten Struktur sind sie besonders schmutzunempfindlich und können beidseitig genutzt werden. 

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Yasin Sert erkannte die Vorteile des wiederverwertbaren natürlichen Materials und besuchte kurzerhand die alte Dame aus der Doku, um die von ihr gewebten Stoffe zu kaufen. Sie sagte überrascht zu und freut sich nun, dass ihre Arbeit heutzutage wieder sehr geschätzt wird. Der 22-jährige Student (Politikwissenschaft und International Affairs) begeisterte sich schon seit Kindheitstagen fürs Nähen und hat sich nun mit der Anfertigung von handgefertigten Designer-Taschen ein kleines Geschäft aufgebaut. Faize teyze webt große bunte Teppiche, teils aus Wolle, teils aus alter Kleidung; er näht sie zu schicken und modernen Allround-Taschen, Tablet-Hüllen oder Kissen. Unter der Marke »Chapputz« verkauft er sie dann online an modebewusste Istanbuler.  

Sert möchte als nächstes auch internationale Käufer für seine Produkte finden. Im Interview erklärt er: »Wir [Türken] glauben unzeitgemäß zu sein, was Recycling angeht. Jedoch ist die Wiederverwertung tief in unserer Kultur verankert. Dass diese Art der Erhaltung einen wichtigen Stellenwert in der türkischen Kultur hat, möchte ich mit Chapputz beweisen, indem ich meine Produkte ins Ausland bringe.«

Credits
Text: Fatima Çimşir
Fotos: Güray Ervin

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Ömer Mutlu
Founder

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