Alles dreht sich um den Kopf

By Ilayda Kaplan – Gesellschaft, Lifestyle

Ob Kopftuch, Turban oder eben irgendwie um den Kopf gewickelt – für die Gesellschaft auf jeden Fall Stoff, der für Gespräch sorgt. Meistens eher negativ konnotiert, ist das Tuch von den Köpfen der Menschen nicht mehr wegzudenken. Für einige ein Symbol ihrer religiösen Bekennung, für andere traditionell bedingt und für manche eben nur ein Modetrend. Trotzdem mehrheitlich in der Gedankenschublade „Pflicht der muslimischen Frau” zu finden, die gerne mit den Mind-Map-Unterkategorien „Unterdrückung“ und „fehlende Gleichberechtigung“ assoziiert wird. Langweilt mich total und ich bin mir sicher, ich spreche da für viele. Schon beim Abtippen fällt mir gerade auf, wie durchgekaut dieses Thema einfach ist. Ständig wird man von irgendwelchen Alice-Schwarzer-Feminist_Innen auf das Selbstbestimmungsrecht der Frau hingewiesen, dass doch jede Frau selbst über ihren Körper entscheiden könne und es der Religion nicht zustehe, eine Frau nach ihrem Regelwerk zu kleiden. Schon voll paradox, da es jeder Muslima eigentlich frei zusteht, ihren Körper zu kleiden, wie sie nun mal Bock drauf hat. Wie sonst erklärt man sich die Diversität der Kleidungsstile von muslimischen Frauen? Vom knappem Minirock bis zur Ganzkörperverschleierung ist alles dabei und jede von ihnen identifiziert sich mit dem Islam.

Wenn wir schon dabei sind: Wieso eigentlich immer der Islam? Im Judentum, im Christentum und in diversen anderen Religionen bekleidet man seinen Kopf auch. Und wieso immer Religion? Viele tragen ihre Kopfbedeckungen, weil sie sich traditionsbewusst zeigen und ihre Wurzeln zum Ausdruck bringen wollen. Und wieso immer nur Frauen? Es gibt etliche Männer, die, ob religiös, kulturell oder eben nur modisch bedingt, eine Vorliebe für Kopfbedeckungen teilen.

Seit nicht allzu langer Zeit kann man immer mehr Menschen beobachten, die sich mit einem Turban in der Öffentlichkeit zeigen. Ob sich dieser Trend im Zuge einer „Cultural Appropration” etabliert hat, habe ich noch nicht herausfinden können. Jedenfalls bin ich schon lange ein Fan davon und sehe ihn als eine modernere Variante des Hijabs, als cooles Element der „Modest Fashion” oder als Vertuschungsmittel eines Bad Hair Days.

Klitzekleine Anekdote am Ende:

(Nebeninfo: Als Nicht-Muslima sowie Nicht-Angehörige anderer Religionen und auch nicht wirklich traditionsbewusste sowie trendverfolgende Person, trage ich meinen Schal als lockeren Hijab und ab und an als Turban. Aus Solidarität und Faulheit. Abwechselnd eben.)

Ich verbrachte einen unspektakulären Nachmittag in einem Einkaufszentrum und trug an dem Tag einen Turban. Eine, ich nehme an, deutsche Frau trat mir entgegen und meinte: „Toll. Echt großartig. Steht Ihnen hervorragend.“ Leicht errötet schmunzelte ich, sagte “Danke!” und dachte mir dabei „Geht doch“.

Sieht eben hip aus, ob’s dir passt oder nicht.

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Ilayda Kaplan
Contributor
Ilayda fängt ihre Gedanken und Ideen mit der Kamera ein und macht sie für Außenstehende sichtbar. Sie organisiert Fotoshootings und gibt ihre Fotografie Erfahrungen an Kinder weiter. Nebenbei studiert sie Kulturwissenschaften und pendelt zwischen Frankfurt Oder und Berlin.